In den Zeichnungen von Brigitte Denecke spricht sich eine momentane Befindlichkeit aus. Sensibel spürt die Künstlerin ihrer inneren Stimme nach und lässt eine bildnerische Materialisation entstehen. Diese kann angeregt sein von der Erinnerung an ein Gegenüber – in Gestalt eines Gesichtes, einer Landschaft, einer Figur. Sie kann aber auch seelische Schwingungen zum Ausdruck bringen, die im Unterbewussten verankert sind und im Verlauf des Zeichnens erst zu tage treten.
Der Vorgang des Zeichnens selbst wird zum Thema, der Fluss oder die Stockung der Linie zum Ausdrucksträger: Brechungen, Überlagerungen, Linienknäuel und deren Auflösung haben eine Eigenexistenz, die sich dem Betrachter mitteilt. So entsteht eine Authentizität des Zeichnerischen, die unabhängig vom Erkennbaren oder Nichterkennbaren existiert.

Dr. Karla Bilang
2014